Lange bevor amerikanische Marketingexperten die erstaunliche Idee entwickelten, daß Information etwas mit einer Autobahn zu tun haben könne, daß die Bewegung der Daten dem Dahinzockeln vierrädriger Automobile auf verstopften Vorstadthighways entsprechen könne, und die Rede vom "Info-Highway" in die Sonntagspredigten der Politiker einfloß, verwendeten Informatiker Begriffe, die die Bewegung der Information metaphorisch einkleideten. Die Informatiker sprachen vom Informationsfluß, von Datenströmen und von Schleusen. Flußdiagramme repräsentierten Programmlogik als Wasserwegelogistik und Quellen und Senken kleideten in Worte, was die Vorstellungskraft aus der Bewegung der Bäche in der Landschaft kannte. Das metaphorische Umfeld der frühen Informatik war offenbar an Flüssen und Seen gebaut und verstand die Bewegungsform der Daten als eine flüssige. Anders als in der öden Formel vom Highway konnotierte die Wassermetaphorik Informationsprozesse mit Momenten des Fließens, sah ab vom einzelnen Objekt und lenkte den Blick auf einen Komplex interdependenter Einheiten, die als Flußganzes mehr waren als viele kleine Autos auf einer langen grauen Straße. Man mag die sprachlichen Aspekte einer Wissenschaft als ein Detail am Rande betrachten, es muß aber auch erlaubt sein, darüber zu spekulieren, wie sich Systeme im Gewande unterschiedlicher Repräsentationsformen zeigen. Wenn heutige User den Datenfluß stoppen und wieder starten, indem sie auf das Icon einer kleinen Ampel klicken, die einmal Rot und dann wieder Grün zeigt (Software Phonetools) oder im Web auf kleine Verkehrsschilder treffen, die Straßenbauarbeiter zeigen, so sind sie paradigmatisch in einem Universum, in dem die Straße, das Recht der Straße, die Straßenverkehrsordnung, der Stau und die Überholspur den dispositiven Horizont für alles Handeln abstecken. Wie anders wäre ein repräsentatives Netz aquatischer Konzepte? Wie wäre eine Informations- und Kommunikationswelt der Taucher, des Dampfes, der Wassertröpfchen, der Quellen, Mündungen und der großen Fluten?

Es ist das Verdienst der Kunst, der herrschenden Industriemetaphorik bessere Bilder entgegenzuhalten, bessere Sprachen auszusprechen und bessere Welten vorzustellen. Andrea Zapp und Paul Sermon konstruieren in der Waschkaue eine Wasserwelt, in der Kommunikation in ihrer Flüchtigkeit und Flüssigkeit durch Wasser getragen und verändert wird. Den Benutzern der Installation zeigen sich die Schemen der interagierenden Partner vom anderen Orte als Bilder auf Wassernebelwänden, die sich fließend verändern. Den Bildern, die live via ISDN zwischen den beiden Installationsorten ausgetauscht werden, nimmt das Wasser den ideologischen Schein der Haltbarkeit und Unveränderlichkeit. Das Wasser wäscht die Bilder rein - könnte man sagen und müßte sofort fortsetzen mit der heraklitischen Schlußfolgerung: Man kann nicht zweimal auf dasselbe Bild sehen. (So wie man nicht zweimal in denselben Fluß steigen kann.) Gegenwart und Geschichte befinden sich im Strome ständiger Veränderung. Die Authentizität der Interakteure und die Geschichtlichkeit der erinnerten Bilder sind fließende, respektive verflossene Information. Wir können diese Informationen weiterfließen lassen, sie umleiten, stauen oder versprengen, aber wir werden sie niemals einfrieren können: Information fließt!

Mathias Fuchs